Blutprodukte bleiben trotz Hitzesterilisation gefährlich

Autor: Andreas Bemeleit

Die Versorgung der Hämophilen mit Gerinnungsstoffen wurde nach den zahlreichen Infektionen mit HIV und Hepatitis-C auf virusinaktivierte Präparate umgestellt. Die durchgeführten Maßnahmen werden als wirksam gegen umhüllte Viren wie HIV, HBV und HCV betrachtet. Dennoch besteht, wie schon 1982, nach wie vor die Gefahr viraler Infektionen.

Prof. Susanne Modrow vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universität Regensburg konnte in einer groß angelegten Studie beweisen, dass Blut häufig mit Viren kontaminiert ist, die sich nicht herausfiltern lassen.
„Jedes aus Menschen oder Tieren gewonnene Produkt ist potenziell mit für Menschen pathogenen Infektionserregern belastet”, sagte Prof. Modrow anlässlich des Welt-Hämophilie-Tag 2009, „während bekannte Erreger wie das HIV heute gut einschätzbar sind und daher ein geringes bzw. kalkulierbares Risiko darstellen, ergeben sich besondere Probleme durch neue Varianten bekannter Viren oder neue, noch nicht erforschte Infektionserreger.”

Membranumhüllte Viren werden in der Regel durch gebräuchliche Methoden der Plasmaaufbereitung wie Hitze oder Behandlung mit Detergenzien zerstört.
Ein besonderes Problem sind nach Modrow Viren ohne Membranhülle. Zu diesen Viren zählen die Erreger der Hepatitis (Leberentzündung) A und E sowie humane Parvoviren.
Die Untersuchung von 13 unterschiedlichen kommerziell erhältliche Faktorenpräparate auf Genmaterial von Viren ergab, dass ein hoher Anteil von plasmatischen Gerinnungsfaktor-Präparaten DNA von Parvovirus B19 enthalten.

Beim gesunden Erwachsenen verläuft die Parvovirusinfektion häufig asymptomatisch. Für bestimmte Patientengruppen (z.B. Patienten mit Abwehrschwäche, Kinder oder Schwangere) kann die Infektion ein ernsthaftes Risiko darstellen. Bei Erwachsenen entwickelt sich in bis zu 60% der Fälle eine rheumatoide Verlaufsform. Bei bis zu zehn Prozent der infizierten Schwangeren kommt es zur transplazentaren Infektion, die unbehandelt häufig zum Spontanabort führt. Bei immunsupprimierten Patienten (HIV-Infizierte) kann das Parvovirus B19 zu einer chronischen Anämie führen.

Prof. Modrow fordert, dass bei der Herstellung von Produkten aus menschlichem Blut alle verfügbaren Methoden zur Inaktivierung bzw. Eliminierung von krank machenden Erregern angewendet werden müssen. Sie empfiehlt die Verwendung von rekombinanten Produkten, soweit diese verfügbar sind. Rekombinante Gerinnungsfaktoren werden von den Krankenkassen erstattet. Hämophilie-Patienten sollten mit ihren Behandlern den möglichen Einsatz dieser Präparate besprechen.

Literatur:
Dt Ärztebl 2001; 98: A 1620–1624 [Heft 24] “Parvovirus B19: Ein Infektionserreger mit vielen Erkrankungsbildern”

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