30 Jahre Blutskandal – Ein Aufruf gegen das Vergessen

Autor: Andreas Bemeleit

Im Mai 2013 jährt sich die Entdeckung des Humanen Immundefizienz-Virus zum dreißigsten Mal. Mit diesem “Jubiläum” hat es für viele von uns Hämophilen eine besondere Bewandtnis, wurden wir doch damals mit genau diesem Virus über kontaminierten Gerinnungsfaktor infiziert und damit zu einem äußerst schwierigen Lebens- und Leidensweg verdammt. Viele von uns sind dieser Bürde bereits endgültig zum Opfer gefallen, für andere von uns geht dieser Weg in unverminderter Härte weiter – und damit auch der Kampf um Gerechtigkeit.
In der Vergangenheit wurden wir Betroffenen oftmals nur durch Minimallösungen entschädigt: Beispielsweise gab es in den achtziger Jahren, nach bekannt werden der HIV- Infektionen, nur das doppelte Jahreseinkommen (im Durchschnitt 65000 DM) für die Betroffenen als Entschädigung, weil man damals von einer Lebenserwartung von zwei Jahren ausging. Auch wurde später das Vermögen der Stiftung “Humanitäre Hilfe” immer wieder nur auf die errechnete Lebenserwartung für HIV-Infizierte begrenzt. Man ging seitens der für den Blutskandal Verantwortlichen stets davon aus, dass sich das Entschädigungsproblem mit uns Betroffenen früher oder später selbst aus der Welt schaffen würde. Neben dem wirklichen Blutskandal, also den erlittenen HIV-Infektionen, ist dies wohl der eigentliche Skandal.
Dank der modernen Medizin ist das HI-Virus mittlerweile aber nicht mehr die Haupttodesursache unter uns Betroffenen, sondern Hepatitis C. Bei erlittenen HCV- Infektionen gab es bislang für die überwiegende Mehrheit von uns in Deutschland Betroffenen noch überhaupt keine Entschädigung – was einen weiteren Skandal darstellt, da in allen anderen Industrienationen bereits zum Teil äußerst großzügige Entschädigungen gezahlt wurden. Weil der Verlauf der erlittenen Erkrankungen degenerativ ist, ist es deshalb höchste Zeit zu handeln – zumal der juristische Weg mittlerweile unmöglich ist.
In der Vergangenheit haben sich hauptsächlich die Interessenvertretungen von uns Hämophilen, d. h. die Deutsche Hämophilie Gesellschaft und die Interessengemeinschaft Hämophiler e. V., um unser Anliegen nach gerechter Entschädigung gekümmert – was jedoch nicht ausreichte dieses Ziel auch zu erreichen. Darum erfolgt nun dieser Aufruf an alle Betroffenen des Blutskandals, sich persönlich für das gemeinsame Ziel der gerechten Entschädigung zu engagieren.
Zu diesem Zweck hat sich das Netzwerk “Robin Blood” formiert. Wir versuchen dabei die folgenden Primärziele zu realisieren:
1. Der Aufbau einer öffentlichen und politischen Lobby für durch pharmazeutische Produkte Geschädigte.
2. Die Verbesserung der HIV-Kompensation, heißt a) die Deckung des Kapitals der Stiftung “Humanitäre Hilfe” bis 2070, b) der Ausgleich des durch Inflation bedingten Wertverlustes der monatlichen Zahlungen der Stiftung “Humanitäre Hilfe” seit 1995 in Höhe von 24,24 % und c) ebenso eine zukünftige dynamische Anpassung der Zahlungen an die steigenden Lebenshaltungskosten.
3. Die Schaffung einer angemessenen finanziellen Entschädigungslösung für durch Blutprodukte mit Hepatitis-C Infizierte.
Darüber hinaus versuchen wir auch die Betroffenen selbst mit ihren Erlebnissen und Erfahrungen zu Wort kommen zu lassen – was bislang in der Vergangenheit noch nicht geschah, indem wir die Lebenswege von uns Betroffenen aufzeichnen, um so eine sowohl menschliche als auch historische Aufarbeitung des Blutskandals zu erreichen.
Wenn Sie also Interesse an einem Engagement für diese Ziele haben, nehmen Sie mit uns Kontakt über info@robinblood.org auf.

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